Mut, Salz und Schweiß – Tagebuch meines Segelabenteuers in der Adria

Winsch im Sonnenuntergang

Mitte Juni fand ich auf Facebook einen Beitrag in einer Segelgruppe:

Koje frei vom 18.07.-30.07.2021. Segeln von Brindisi bis Lignano.

Da mein zweiter Impftermin für den 15.07. angesetzt war, schien mir der Zeitraum passend. Kurzerhand schrieb ich zurück: Habe Interesse! Daraufhin folgte ein kurzer schriftlicher Austausch und ein Telefongespräch. Ich dürfte gerne mitfahren, meine Erfahrung sei ausreichend. Außer mir würden aber nur Männer an Bord sein, ein klein wenig älter als ich. Ich wog ab: Abenteuer gegen Zweifel. Das Abenteuer siegte. Und so saß ich am 17.07. im Flugzeug von Frankfurt nach Brindisi, um zu ein paar fremden Leuten aufs Boot zu gehen und zwei Wochen die italienische Adriaküste hoch zu segeln. Unterwegs habe ich handschriftlich Tagebuch geschrieben. Das sind meine Erlebnisse und Empfindungen zum Zeitpunkt des Geschehens, völlig ehrlich!

19. Juli 2021

14:18 – Seit 5 Uhr bin ich wach, seit 6 Uhr sind wir auf dem Wasser. Ich war heute Morgen direkt fit und habe mich aufs Segeln gefreut. Nachdem ich einen schönen, wenn auch etwas wolkigen Sonnenaufgang beobachten konnte, haben wir abgelegt. Ich durfte am Steuer stehen und das Ablegemanöver fahren, nachdem ich beschrieben habe, wie ich es machen würde. Das war ziemlich cool. Dann stand ich die nächsten zwei Stunden am Steuer. Am Anfang dachte ich kurz, dass mein Magen den Wellen nicht standhält, aber dann ging es doch sehr gut. Das Segeln hat richtig Spaß gemacht, uns unserem 35 Seemeilen entfernten Ziel wegen Wind von Vorne jedoch kaum näher gebracht. Deswegen fahren wir jetzt schon seit einer Weile gegen Wind und Wellen. Unter Motor. Zwischendurch hüpft das Boot ordentlich auf und ab, aber ich gewöhne mich langsam daran. Seit 8 Stunden sind wir bereits auf dem Wasser und wir haben gerade mal die Hälfte der Strecke geschafft. Mit Autopilot gibt mir das echt viel Zeit, für die ich mir jedoch selber ein Handyverbot ausgesprochen habe – Ausnahme: Fotos + Musik. Also lese ich, schreibe mal wieder Reisetagebuch, habe sogar schon etwas Sport gemacht und denke viel nach. Über mein Date und meine Gefühle für ihn, die nächsten Monate, meine Zukunft. Vielleicht sehe ich irgendwann in den nächsten Tagen nach vielen Stunden auf dem Wasser ja klarer.
19:05 – Irgendwann haben wir aufgegeben. Selbst mit Motor sind wir kaum noch von der Stelle gekommen. 9 Seemeilen vor Monopoli gab es noch einen kleinen Hafen, den wir auf gut Glück mal angesteuert haben. Dahin konnten wir nochmal schön hart am Wind segeln. Um 8 Uhr abends, 14 Stunden nach Abfahrt, haben wir hier an der Mole hinter einem Fischerboot angelegt und hoffen, hier für die eine Nacht bleiben zu können. Was für ein aufregender, anstrengender erster „Segel“-Tag.
Später gab es dann noch ein Eis und einen Drink im hübschen, kleinen Örtchen. Anschließend an Deck den Schweiß und die Sonnencreme abduschen. Jetzt fühle ich mich wieder wie ein richtiger Mensch und bin gespannt auf alles, was noch kommt.

20. Juli 2021

18:03 – Heute Morgen im Hafen habe ich tatsächlich Sport gemacht. Und das sogar vor dem Frühstück. Nur ein kleines Workout mit dem eigenen Körpergewicht, aber immerhin! Danach haben wir abgelegt und sind bis Monopoli gesegelt, schön im Zick Zack gegen den Wind gekreuzt. Ich stand bestimmt 5 Stunden pausenlos am Steuer und habe jede Sekunde genossen. Für morgen stehen 24 Seemeilen auf dem Plan, wir müssen bis nach Bari. Weiterhin mit ordentlich Gegenwind und Welle von vorne. Der Plan ist bereits um 4 Uhr morgens loszufahren. Definitiv außerhalb meiner Komfortzone und ein Abenteuer, aber ich bin so bereit, wie ich es sein kann. Zwei Tage Gewöhnung an das Boot und die Wellen, jede Menge Hunger nach neuen Erfahrungen und keine Wahl.

21. Juli 2021

05:49 – Ich sitze hier mit Gänsehaut, weil der Wind langsam kühl wird. Aber ich ziehe mir nichts an, weil ich gleich die ersten Sonnenstrahlen auf der Haut spüren werde. Vor zwei Stunden war noch alles stockdunkel und der Himmel voller Sterne. Vor Faszination und Respekt war ich ganz ruhig und habe immer wieder nach oben gestarrt. Hoffend auf eine Sternschnuppe, die mir meinen sehnlichen Wunsch erfüllen würde. Eine Sternschnuppe gab es leider nicht, dafür jedoch auch so Magie ohne Ende. Die ersten Sonnenstrahlen berühren meine Haut. Der Grad zwischen purem Glück und Melancholie ist besonders schmal in diesen Momenten. Um 4 Uhr heute Morgen durfte ich im Dunkeln ablegen. Ich habe mich sogar sicher gefühlt dabei.
19:40 – Heute sind wir wieder 12 Stunden lang gefahren. Viel Zeit zum Nachdenken über das Leben. Frankfurt, Flensburg, Gefühle. Immer und immer wieder. Jetzt am Abend Gespräche über den Tod. Beide Mitsegler hätten mal fast ihre Frauen verloren. Heftige Geschichten. In diesen Momenten wird mir bewusst, dass es so eine Person für mich nicht gibt.

22. Juli 2021

19:27 – Der Wind war uns heute recht wohlgesonnen. Wir konnten größtenteils segeln und mussten nicht einmal kreuzen. So sind wir sogar noch einen Hafen weitergekommen als geplant. Unser viertes Crewmitglied kommt nun doch nicht, also bleiben wir zu dritt. Nächste Woche segeln wir bei recht starkem Südwind 24-48 Stunden durch, weit weg vom Land. Ich hoffe, dass mein Magen auch den Vorwindkurs aushält. Zur Eingewöhnung werden wir morgen das erste Mal die Nacht durchfahren. 42 Seemeilen nicht direkt an der Küste entlang, sondern quer durch eine große Bucht hindurch. Einteilung von Wachschichten, meine sind: 18-20, 12-2 und 6-8 Uhr. Für die Nacht ist wenig Wind vorhergesagt, zur Eingewöhnung ist es also recht ruhig hoffentlich. Mir geht der Arsch echt auf Grundeis, wenn ich an den Vorwindkurs ab Sonntag denke. Meine Panik vor der Seekrankheit kommt da voll durch. Vor allem anderen habe ich Respekt, aber keine Panik.

23. Juli 2021

15:57 – Eben sind Delfine um uns herumgeschwommen. Sechs waren es und sie sind ewig lange geblieben. Sind geschwommen und gesprungen und ganz nah ans Boot gekommen. Was für majestätische, elegante und spaßige Tiere das sind. Das hat mich sprachlos gemacht, so schön war das.
21:00 – Manche Momente sind so schön, dass sie sich kaum in Worte fassen lassen. Das Meer ist fast glatt, der Sonnenuntergang taucht alles in ein magisches, pastellfarbenes Licht. Gegenüber der Vollmond in rot-orange. Und plötzlich taucht sogar noch ein Delfin auf. Kitschiger geht es nicht, aber auf die gute Art und Weise. Jetzt wird der Mond langsam heller und steigt höher, der Himmel wird immer dunkler und die ersten Sterne tauchen auf. Wenn es eine perfekte erste Nachtfahrt gibt, dann hat die hier definitiv Chancen darauf. Jetzt bleibt nur noch die Frage, ob ich bis 12 wach bleibe oder versuche, vorher noch etwas zu schlafen. Im Moment möchte ich auf jeden Fall noch draußen bleiben.

24. Juli 2021

20:42 – Im Mittelmeer gibt es Quallen. Also natürlich gibt es dort Quallen, irgendwo tief drin, das war mir schon klar. Aber, dass sie beim Ankern um das Boot schwimmen, das kannte ich noch nicht. Nur einzeln, aber noch gruseliger als in der Ostsee. Theoretisch auch schöner, ich kann jedoch im Zusammenhang mit Quallen nun einmal schlecht von schön sprechen. Zweimal habe ich mich getraut, ins Meer hinein zu hüpfen, mit ach und Krach und direkt wieder hinausklettern. Trotzdem, immerhin.
Nachdem wir den Tag heute entspannt vor Anker in der Bucht verbracht haben, sind wir nun zu unserer langen Strecke nach Ancona aufgebrochen. 150 Seemeilen auf direkter Strecke, mehr noch mit unserem Bogen, damit wir den Wind weiter draußen gut mitnehmen können. Zwei Nächte werden wir voraussichtlich durchfahren, vielleicht sieht man zwischendurch kein Ufer mehr. Jetzt geht es raus aus der Komfortzone. Denn: There is no life at the comfort zone!

25. Juli 2021

00:47 – Ich hatte keine Ahnung wie hart das wach bleiben sein kann. Tief und fest habe ich im Salon vor meiner Schicht geschlafen. Jetzt fühle ich mich, als ob ich schlafwandeln würde. Augen aufhalten, aufmerksam bleiben. Ballermann Musik zum Wach-Singen. Irgendwie werde ich es schon schaffen.
07:01 – Meine Schicht von 6 bis 8 Uhr mag ich. Zum Sonnenaufgang habe ich Nudeln mit Pesto gefrühstückt. Die Sonne scheint nun leicht durch die Wolken hindurch, wärmt aber bereits Haut und Herz. Auf Vorwindkurs fahren wir mit knapp 4 Knoten ganz gemütlich dahin, angeschoben vom Wind. Um uns herum ist nichts zu sehen, kein Land, wir sind nur von Wasser umgeben. Zwischendurch taucht mal ein Frachter am Horizont auf, sonst ist Meer in alle Richtungen so weit das Auge reicht. Ich höre jetzt gerade keine Musik, sondern genieße ganz bewusst die Stille und die Geräusche des Meeres und des Windes. Es ist unglaublich friedlich und ich bin unendlich dankbar, diese Erfahrung machen zu dürfen.
16:32 – Vorhin hatten wir über 20 Knoten Wind und ordentlich große Wellen. Bisher bin ich nicht seekrank geworden, deswegen war es ziemlich cool. Mein größtes Problem ist, dass ich tagsüber nicht schlafen kann und in meinen Nachtschichten dann kaum die Augen aufgehalten bekomme. Ich werde nachher nochmal zwischen 20 Uhr und Mitternacht versuchen, etwas Schlaf nachzuholen. Keine Ahnung, wie ich die Nacht sonst überleben soll.

26. Juli 2021

01:04 – Geschlafen habe ich maximal 1-2 Stunden, aber bisher kann ich meine Augen ganz gut aufhalten. Heute Nacht sind keine Sterne und auch nicht der Mond zu sehen, es ist sehr bewölkt. Ich habe mein T-Shirt ausgezogen und die lange Hose gegen eine kurze getauscht und höre trotzdem nicht auf zu schwitzen. Die Kombination aus Salz, Schweiß und Sonnencreme auf der Haut fühlt sich eklig an und ich sehne mich nach einer Dusche. Meine Haare sind zu einer klebrigen Masse verkommen. Trotz allem ist es wundervoll, nur vom Meer umgeben zu sein. Es schirmt die Welt irgendwie auch in den Gedanken ab. Alles, was nicht gerade jetzt eine Rolle spielt, ist hier nicht wichtig. Das Einzige was zählt, sind Wind, Wellen, essen, trinken und schlafen.
06:46 – Da ist wieder Land zu sehen am Horizont. Ich habe es nicht vermisst, aber es ist trotzdem so schön zu sehen. Wir sind jetzt seit 38 Stunden am Stück unterwegs und sicher noch weitere 6 Stunden liegen vor uns. Ich spüre Stolz in mir, dass ich mich das Abenteuer getraut habe und es gut meistere. Stolz darauf, dass ich es durchziehe. Stolz auf meinen Mut, meine gedankliche Disziplin, wenn sie dringend notwendig ist. Ich bin ein leidenschaftlicher, gefühlvoller Mensch, der keine Angst vor Verantwortung haben muss. Wenn mir das mal nicht auch im restlichen Leben weiterhilft.

27. Juli 2021

18:07 – Die Sonne scheint endlich wieder. Sie begleitet unseren entspannten Kurs in Richtung Venedig. Mit guten 4 Knoten gleiten wir sanft dahin. Heute Nacht steht die vierte und voraussichtlich letzte Nachtfahrt an. In Venedig werde ich von Bord gehen und fühle mich eigentlich noch gar nicht bereit dazu. Langsam fühle ich mich hier so zu Hause, dass ich anfange zu kochen. Vorhin habe ich mich an einen Apple Crumble herangetraut. Leider war der etwas zu lange im Ofen. Der essbare Teil hat trotzdem sehr gut geschmeckt. Nach Heimat und Wärme und Geborgenheit. Danach gab es nun zwei Bier. Und obwohl das Land inzwischen schon wieder nur noch schwach am Horizont zu sehen ist und wir mitten auf dem Meer sind, fühlt es sich gerade sehr nach Urlaub an. Sanftes Schaukeln, Sonnenschein und kein Stress. Noch zwei Tage an Bord der Jo Eh, dann geht es rüber ins Paradies von Sardinien. Eine neue Crew, neu einleben und kennenlernen, aber weiter segeln, segeln, segeln und an Bord leben. Quasi drei Wochen am Stück, ein neuer Rekord und so schön.

28. Juli 2021

00:37 – Ich liebe es, wenn ich während meiner Schicht die Segel setzen und den Motor ausschalten kann. Wenn der Lärm verstummt und nur noch das Plätschern des Meeres und das Rauschen des Windes zu hören sind. Über mir funkeln tausende Sterne, nun leider von einigen Wolken verdeckt. Dann lässt der Wind wieder etwas nach und wir sind deutlich langsamer als mit Motor. Also beobachten, abwarten, hoffen, dass segeln weiterhin geht. Wenn ich den Motor wieder anmachen muss, wachen alle auf und denken: Danke für nichts. Ich persönlich segele lieber kurz als gar nicht. Dafür bin ich schließlich hier.
01:11 – Und so schnell ist der Motor wieder an. Das war leider ein sehr kurzes Vergnügen. Nun ist der Wind wieder weg und die Wellen bremsen uns zusätzlich aus, lassen uns unregelmäßig schaukeln, als könnten sie sich nicht für eine Richtung entscheiden. Ich könnte mich jetzt ärgern, aber wozu? Segeln gehen heißt nun einmal sich von der Natur abhängig zu machen und geduldig zu sein. Vielleicht lehrt mich das Segeln am Ende tatsächlich noch etwas mehr Geduld.

29. Juli 2021

12:06 – Vor uns liegt Venedig. Nie hätte ich gedacht, dass meine erste Reise hierher auf einem Boot stattfindet und doch ist nichts passender. Wenn ich überlege, wie weit wir bis hierher unterwegs waren und welch verrücktes Abenteuer mich hierher gebracht hat, klopft mein Herz. Ich kann den ganzen Umfang noch gar nicht so richtig fassen, es ist einfach so unwirklich. Wie viele Eindrücke kann ein Mensch überhaupt aufnehmen?

30. Juli 2021

Eben habe ich die Jo Eh zum ersten Mal betreten – aufgeregt, nervös, mit Vorfreude und ängstlich – und nun sind schon zwei Wochen vorbei und ich muss mich verabschieden. Zu zwei fremden Männern bin ich an Bord gestiegen, zwei Freunde verlasse ich nun. Es gibt Dinge, die werden leichter, je öfter man sie macht. Und es gibt Dinge, die sind immer schwer und bleiben es auch. Abschiede gehören in die zweite Kategorie. An das Gefühl habe ich mich gewöhnt, aber leichter wird es dadurch nicht. Was mich tröstet ist, dass einem schweren Abschied immer eine schöne Zeit vorausgegangen ist. Eine Zeit, die jeden Abschied wert ist.
Zwei Wochen lang bin ich die italienische Adriaküste entlang gesegelt, habe Tage und Nächte auf engstem Raum verbracht, habe die tollsten Momente, größten Ängste und meinen überwältigenden Mut erlebt und würde keine Sekunde davon missen wollen. Ich bin überwältigt von meiner Liebe zum Segeln, dem Ausmaß der Erlebnisse und der Einfachheit des Erlebens gleichzeitig. Und ich bin unendlich glücklich, heute Abend schon wieder auf einem Boot sein zu dürfen!

Wie ich mich ins Segeln verliebte…

Wenn auf einem sonst kaum gepflegten Blog schon bereits zwei Beiträge zu erlebten Segelreisen zu finden sind, so lässt sich ein gewisses Interesse nicht leugnen. Mittlerweile ist es jedoch mehr als die Erinnerung an ein paar entspannte Urlaubstage. Es fühlt sich an, als hätte ich eine neue Leidenschaft gefunden, auch wenn ich sehr vorsichtig mit diesem Begriff bin.

Ich habe oft die Angewohnheit, mich für einen kurzen Zeitpunkt für ein Thema zu begeistern und es dann wieder aus den Augen zu verlieren oder es nach einiger Zeit doch nicht mehr so spannend zu finden. Deswegen fällt es mir oft schwer, darauf zu vertrauen, dass ich etwas wirklich mag. Nun, da ich seit über einem Jahr eigentlich non-stop ans Segeln denke, bereits vier Törns und über 500 Seemeilen hinter mich gebracht habe und mir zwischen den Törns Filme, Instagram-Stories und Youtube Videos über das Segeln ansehe, wage ich es, das Thema als Leidenschaft ernst zu nehmen.

Von einem Segeltörn, der gar keiner war

Wenn ich überlege, wie es anfing, dann ist mein erster Gedanke mein Segeltörn in Kroatien, der eigentlich keiner war. Es war eine Woche auf einem Segelboot, nur gesegelt wurde eigentlich nicht. Es wurde gegessen, getrunken, geschwommen und es wurden verschiedene Inseln erkundet und diverse Parties gefeiert. In Split im Hafen wurde mir bewusst, dass das Boot viel größer sein würde, als ich es mir vorgestellt hatte. Der Fokus würde viel mehr auf dem Feiern mit der Gruppe liegen als auf allem anderen. Spaß gemacht hat es trotzdem. Jede Nacht in einem anderen Hafen schlafen, jeden Vormittag in einer neuen Bucht schwimmen gehen, jeden Nachmittag eine neue Insel kennen lernen. Das Boot wird zum Lebensmittelpunkt, dort wird gegessen, geduscht, geschlafen. Es ist Dancefloor, Sprungbrett und Liegewiese. Das Grundprinzip gefiel mir und am Ende der Woche verließ ich das schwimmende zuhause nur sehr ungerne.

Wie bin ich nun aber eigentlich auf die Idee mit Kroatien gekommen? Tatsächlich sprang der Funke schon ganze zwei Jahre früher über. Auf meinem eintägigen Segelausflug auf Sardinien. Es waren nur ein paar Stunden auf dem Meer, aber ich habe zum ersten Mal im Leben die Magie des Segeln entdeckt. Wenn der Motor ausgeschaltet wird und das Boot allein vom Wind angetrieben dahin gleitet. Zwei Jahre später bei der Überlegung, welchen Urlaub ich wohl gut alleine machen könnte, kam dann die Idee. Warum nicht dieses wundervolle Gefühl eine Woche lang genießen, das Boot nicht am Abend verlassen müssen.

Nun hatte ich also einen Tag wirklich Segeln erlebt und eine Woche auf einem Boot leben. Meine Erkenntnis: Segeln ist faszinierend und schön – ein Boot mit Koch, Barkeeper und Koch und reiner Fahrt unter Motor jedoch nicht das ganz Richtige, jedenfalls nicht für eine Wiederholung. Auf einem Boot schlafen, aufwachen und vormittags ins Meer springen wollte ich trotzdem gerne nochmal erleben.

Von der Faszination, den Alltag beim Segeln zu vergessen

Im August 2019 hatte ich mir eine Woche Urlaub genommen, aber noch keine Idee, was ich machen sollte. Ich tauschte mich mit meiner Freundin über meinen Bootsurlaub in Kroatien aus und sie erzählte mir von ihrem Segeltörn im vergangenen Jahr. Eine Woche auf einer Segelyacht in Griechenland, mit ihrer Schwester und ein paar anderen jungen Leuten, die sie erst auf dem Boot kennen lernte. Von einer entspannten Zeit, tollen Menschen und schönen Erlebnissen. Also schaute ich mir Join the Crew einmal selbst an. Das Konzept klang toll, aber irgendwie hatte ich auch Angst. Angst davor seekrank zu werden, mich nicht in die Gruppe von 8 anderen Menschen einzufügen.

Auf einmal blieben noch 3 Tage bis zu meinem Urlaubsbeginn und ich entdeckte eine freie Koje auf einem Törn in Mallorca. Ich beschloss aufs Ganze zu gehen und machte Nägel mit Köpfen. Buchte den Törn, buchte einen Flug und packte zwei Tage später bereits meine Tasche. Ich habe hier bereits darüber berichtet, deswegen will ich gar keine Details loswerden. Nur, dass es mich gepackt hat. Sowohl das Segeln bei ruhiger See als auch das Segeln bei ordentlich Welle. Wie aus Fremden eine Crew wird, wie jedes selbstgekochte Essen zum Sterne-Mahl wird, wie auf das Anlegen angestoßen wird und wie es ist, vor dem Frühstück und mitten in der Nacht ins Meer zu springen. Ich gebe zu, dass ich nicht viel über das Segeln gelernt habe und mein Dauerzustand eher angetrunken als nüchtern war. Doch ich war fasziniert und wollte mehr.

Mehr bekam ich dann in der Karibik. Eine andere Crew, ein anderes Boot. Luxusleben auf dem Katamaran, ganze zwei Wochen. Auch diesen Törn genoss ich die meiste Zeit, er hat jedoch nicht ganz das Glücksgefühl von Mallorca hinterlassen. Ich las viel beim Segeln und konnte mich schön entspannen, aber ich fühlte mich auch ein klitzekleines Bisschen einsam. Vielleicht tat ich mich doch schwer damit, mich in eine Gruppe Fremder einzufügen? Dieses Mal ärgerte es mich, dass ich es nicht so richtig geschafft hatte, etwas zu lernen. Gab ich mir nicht genug Mühe? Da waren Zweifel, aber trotzdem schon der Plan im nächsten Jahr wieder segeln zu gehen und dem ganzen weiterhin eine Chance zu geben.

Von der Begeisterung für Knoten und Schoten

Und so bekam das Segeln die nächste Chance genau da, wo alles anfing. In Sardinien, La Maddalena und zur Krönung einem Abstecher nach Korsika. Zwischen Homeoffice und Abstandsregeln setzte ich mich ins Flugzeug nach Olbia und blickte meiner ersten Reise des Jahres 2020 entgegen. Alleine die Tatsache, dass der Törn überhaupt möglich war, machte ihn zu etwas ganz Besonderem. Und so sollte es den Rest der Woche bleiben und immer besser werden. Im Schnelldurchlauf: Tolle Crew. Eine Urlaubsliebe. Delfine beim Frühstück. Sternschnuppen vom Deck betrachten. Sterne, Sterne, noch mehr Sterne. Lagerfeuer am Strand. Durchtanzte Nacht in fast leerer Beachbar. Klares Wasser. Weiße Strände. Tiefblaue See. Wind. Genug Wind, um die ganze Zeit zu segeln. Segelunterricht. Welche Kurse gibt es? Wie funktioniert das Segeln? Welche Segelstellung für welchen Kurs? Wie heißt welche Leine? Welche Schot erfüllt welchen Zweck? Was ist beim Steuern zu beachten. Wende. Halse. Palstek. Webeleinstek.

Auf einmal war meine Faszination für den Segelsport geweckt. Segeln war mir wichtiger als in der Sonne zu liegen. Ich wollte lieber mitmachen als zugucken. Wollte verstehen und mir die Dinge merken. Noch Wochen später sagte ich mir Begriffe im Kopf auf, um sie nicht zu vergessen. Konnte den nächsten Törn kaum erwarten und dachte das erste daran einen Schein zu machen. Verwarf es wieder. Das würde ich eh kaum hinkriegen bei meinem Geschick. Und was sollte ich überhaupt damit anfangen? Lieber nicht…

Etwa zwei Monate später fand ich mich dann bereits wieder auf einer Yacht wieder. Über die Warteliste kurzfristig einen Platz bekommen. Griechenland, Ende September, immer noch 30 Grad. Mit an Bord wieder eine tolle Crew, die super gemeinsam funktioniert hat. Ein entspannter Skipper, und eine erfahrene Co-Skipperin. Ich durfte mein erstes Manöver fahren – Boje über Bord. Mit viel Platz nach oben was die Ausführung angeht, aber auch dem Gefühl, es irgendwann lernen zu können. Dieses Mal fasste ich in allen Bereichen noch mehr mit an, übte Knoten, Klampenbelegung und die Nutzung der Winschen. Und in der Mitte der Woche, motiviert vom Zuspruch meiner Crew und meinem Skipper, begeistert vom Spaß, den ich beim Segeln mehr denn je empfand, meldete ich mich zum Bootsführerschein an. Entgegen meiner Bedenken, ob ich es schaffen würde oder ob es wirklich eine Zweck hätte.

Von dem Mut wieder zu träumen

In ein paar Tagen startet meine Theorieeinheit. Drei volle Tage Theorieunterricht. Sportbootführerschein See und Binnen in Kombination. Zwei Praxisstunden. Und drei Wochen danach sollen dann bereits die Praxis- und Theorieprüfung stattfinden. Sicher kein leichtes Unterfangen, aber ich freue mich drauf. Ich möchte alles lernen, alles verstehen und meinem Ziel – dem SKS – näher kommen.

Wenn das nämlich alles klappt wie ich es mir vorstelle, dann kann ich im neuen Jahr mit der Theorie für den SKS anfangen. Der berechtigt mich dann sogar, selbst Skipper auf einer Yacht zu sein. Und auch wenn das für mich noch in ferner Zukunft steht, so bin ich doch ehrgeizig den ersten Schritt zu wagen. Meine neue Leidenschaft weiter zu verfolgen und das Träumen großer Träume wieder zu erlernen. Was mich erwartet? Wer weiß? Aber es fühlt sich gut und richtig an!

Auf den Spuren von Captain Jack Sparrow – Segeln in der Karibik

Weiße Strände, Leichtigkeit und immer eine Flasche Rum parat. Das stellt man sich wohl vor, wenn man an die Karibik denkt. Daran wie Jack Sparrow durch die Gegend torkelt. Und all das ist die Karibik, aber auch noch so viel mehr.

Es geht los…

Der Flug geht direkt von Frankfurt nach Grenada, dank Condor kostet jedes Bier extra, aber wir haben ja schließlich Urlaub. Die Stimmung ist gut, die Vorfreude auf ein bisschen Sommer im Dezember groß. Und dann nach 10 Stunden taucht die grüne Insel endlich unter uns auf – und der kleinste Flughafen, den ich bisher kennen lernen durfte. Die Sonne scheint heiß auf die Haut und die ganzen Eindrücke lassen mich mit dem Verarbeiten gar nicht hinterherkommen.

Als ich mein Zuhause für die nächsten zwei Wochen betrete, einen Katamaran mit richtigem Kühlschrank und einer Lounge, kann ich mein Glück kaum fassen. Ein karibisches Abendessen mit traditionellem Rumpunch, eine aufgrund des Jetlags sehr schlafarme Nacht und einen erlebnisreichen Einkauf später geht die Reise endlich los. Raus auf das Meer, der Freiheit entgegen.

Gleich am ersten Tag gibt es beim Schnorcheln unter Wasser Statuen zu sehen – leider finden wir nur eine einzige. Dafür aber Fische und Seeigel und witzig geformte Pflanzen am Meeresboden. Danach das erste selbst gekochte Abendessen an Bord – Spaghetti Bolognese – und den Abend über wird dann Werwolf gespielt. Dazu das ein oder andere Bier und viele glückliche Gesichter.

Die nächsten Tage verschwimmen ineinander. Viel Sonnenschein, viel Wind, ab und zu einen heftigen Regenschauer. Schwimmen, schnorcheln, weiße Strände, Palmen. Es ist absolut traumhaft und in echt noch so viel schöner als auf Fotos. Nach einem langen Tag an einem wunderschönen Strand geht es abends mit dem Dingi zurück dorthin um einen Cocktail zu trinken und Barbecue zu essen. Chicken, Fisch, Lobster, jeder hat die Wahl. Dazu mit Knoblauch gefüllte Kartoffeln und gebratene Kochbananen. Zum Abschluss einen Rumpunch. So sieht ein perfekter Tag aus.

Ein paar Tage – oder auch ein paar Ewigkeiten oder Sekunden, wer kann das schon so genau sagen – später sind wir auf St. Vincent angekommen. Abends geht es relativ früh ins Bett, denn am nächsten Tag ist eine zeitige Abreise angesagt. Es geht einmal quer über die Insel, um auf einen Vulkan zu wandern. Winston, unser persönlicher Führer und zwei weitere Fahrer holen uns ab. 14 Leute in ein Auto und ab geht die Fahrt. Dschungel auf der linken Seite, Strände und Meer auf der rechten. Dazwischen kleine Orte, Menschen, die vor ihren Häusern sitzen, jeder scheint jeden zu kennen.

Dann geht es tiefer in den Dschungel: Palmen, Bananenstauden, Bambus. Alles ist grün und leuchtet. Je höher wir wandern, umso kühler und windiger wird es, umso flacher die Pflanzen. Und umso schlechter die Sicht. Keuchend erreiche ich den höchsten Punkt und muss mir den Krater leider vorstellen – zu sehen ist nämlich nichts. Spaß gemacht hat es trotzdem und die Bewegung tat unendlich gut. Auf dem Rückweg gibt es Geschichten und Gesang von Winston. Und den besten Schokoladensmoothie aus Banane und Nutella, den ich je getrunken habe.

Einmal ein Foto vor dem Krater bitte

Nachdem anstrengendsten Teil kommt nun der wohl schönste. Der Rückweg Richtung Grenada wird begonnen und endlich können wir weite Strecken segeln. Ohne Motor über das Meer zu gleiten ist gleich nochmal schöner. Hin zu den Tobago Cays, einem unvorstellbar schönem Fleckchen Erde. Kleine Inseln mit Hügeln und schneeweißen Stränden. In allen vorstellbaren Blau- und Türkistönen schimmerndes Wasser. Und dann taucht zum ersten Mal der Kopf einer Schildkröte auf. Alle schauen hin.

Zwei Tage lang wird immer wieder gerufen, wenn jemand eine Schildkröte sieht. Und immer noch schauen die meisten hin. Einmal neben und über einer Schildkröte schwimmen, sie beim Schnorcheln beobachten. Das ist wahnsinnig beeindruckend und wird mir noch lange in Erinnerung bleiben. Ebenso wie die Leguane an Land. Und der Sternenhimmel in der Nacht. Kein Licht ringsherum, nur der Mond und die Sterne. Millionen von funkelnden Sternen, das leise an den Strand plätschernde Meer und die Palmen. Man kann sich kaum etwas schöneres vorstellen.

Wenige Tage später kommt dann schon wieder die Marina von Grenada in Sicht. Es wird aufgeräumt, zusammengepackt, alles für die Abreise vorbereitet. Die letzte Nacht im Paradies – die erste Nacht, die ich draußen schlafe. Es ist windgeschützt und bleibt ausnahmsweise mal trocken. So verbringe ich die allerletzte Nacht unter Sternenhimmel, sehe die Morgenröte langsam die Schwärze der Nacht vertreiben und weiß, dass dies ganz sicher nicht mein letzter Segelurlaub war.

Einmal um Mallorca herum – auf dem Segelboot

Segeln. Oder auch: Camping auf dem Meer. Freiheit. Schwimmen im Mondlicht. Verlust des Zeitgefühls. Ganztags-Outfit Bikini.

Unser Boot: Die Suchon

Klingt wie aus einem Buch? Einem Kitsch-Roman? Klingt nach einem Reiseanbieter? Klingt nach der Wahrheit? Es ist die Wahrheit. Segeln ist kein Sightseeing Urlaub, obwohl man jeden Tag an einem anderen Ort ist. Es ist kein Luxusurlaub, weil selbst kochen und aufräumen und mithelfen angesagt sind. Kein einfacher Urlaub, weil nicht immer nur Sonnenschein und spiegelglattes Meer an der Tagesordnung sind.

Die Bucht von Cabrera, eine unbewohnte Insel südlich von Mallorca. Hier haben wir die vorletzte Nacht bei Vollmond verbracht.

Es ist Meer als Sightseeing, es ist jeden Tag ein Erlebnis. Jeden Tag sehen die Wellen anders aus. Eine andere Bucht, eine andere Küstenlinie, eine neue Wassertiefe. Am Strand, auf dem offenen Meer, im Hafen. Jeder Zentimeter des Bootes wird erkundet. Bis es am Ende einer Woche ein zuhause ist. Fremde werden zu Freunden. Auf engstem Raum kommt man miteinander aus. Lernt sich kennen. Man fragt sich weniger gegenseitig aus. Man lebt. Als würde man sich schon ewig kennen. Man fühlt sich an Land fehl am Platz und erst zurück auf dem Boot rückt alles an seinen Platz.

An Deck schlafen und aufwachen, weil einem alles wehtut und zufällig diesen Sonnenaufgang sehen.

Es ist Meer als Luxusurlaub. Es ist der Luxus, dass das einfachste Essen wie ein Sternemenü schmeckt. Gemeinsam essen und lachen und reden. Es ist der Luxus, aus dem Bett aufzustehen und draußen zu sein. Der Luxus, nicht auf die Uhr gucken zu müssen. Man kann unter dem Sternenhimmel schlafen und zum Sonnenaufgang aufwachen. Jeder Abend wird zur eigenen kleinen Party. Tiefgründige Gespräche nach zu vielen Gläsern Wein. Mitten in der Nacht nackt ins Wasser springen, weil ja eh niemand einen sieht. Einfach einen Pulli über den Bikini anziehen, wenn es mal zu kühl wird. Die Wellen gegen das Boot schlagen hören. Lachen.

Port de Sóller. Da haben wir uns für den nächsten Tag Wind gewünscht – und bekommen, in voller Kraft.

Es ist Meer als einfach. Es ist einfach, seine Grenzen zu überwinden. Denn man hat keine Wahl. Windstärke 7. Das Boot wirkt winzig zwischen den riesigen Wellen. Es schwankt nach rechts, nach links, taucht vorne ins Wasser ein. Wasser spritzt über das ganze Boot, badet mich. Ich lache. Ich stehe am Steuer und bewege das Boot durch diesen Wahnsinn. Noch nie habe ich so etwas erlebt. Es raubt dir den Atem. Macht dich stärker.

Sonnenuntergang auf Cabrera

Und zwischen alldem: An Deck liegen. Sonnen. Nichts ist unbequemer als ein Boot. Und doch habe ich es in der Sekunde des Verlassens vermisst. Alles schrumpft zusammen auf diese paar Meter Boot. Die Menschen, mit denen du da bist. Morgens schwimmen gehen. Abends schwimmen gehen. Mal kaltes, mal warmes Bier. Eine Million Lieder. Eine Million Geschichten. Witze, Spitznamen. Unendlichkeit. Und dann rast die Zeit. Gänsehaut eine Woche lang.

Salzige, ungekämmte Haare. Glücklich von den Haarspitzen bis zu den Zehenspitzen.

Das Handy ist nur noch für die Musik da. Selten ein paar Fotos. Konzentriert auf das Wahrnehmen von jedem Moment. Das Speichern von Erinnerungen im Herzen. Der Versuch, dieses Gefühl festzuhalten. Bis zum nächsten Mal. Denn die Frage ist nicht ob. Sondern wann.

Segeln. Oder auch: Camping auf dem Meer. Schwimmen. Kochen. Ankern. Sonnen. Salz auf der Haut und im Haar. Trinken. Lachen. Leben.

Auf dem Segelboot im Maddalena-Archipel (Sardinien)

Segelboot

Manchmal malt man sich Dinge vor lauter Vorfreude in den buntesten Farben aus und erschafft so ein ganzes Traumgebilde davon. Manchmal wird man dann in der Realität enttäuscht. Manchmal jedoch übertrifft die Realität sämtliche Träume und wird damit zu einer traumhaften Zeit. Eine traumhafte Zeit hatten wir auf dem Segelboot mit Dea del mare.

Bucht vormittags 1

Stell dir einen großartigen Sommertag vor:

Der Himmel ist leuchtend blau, nur ein paar weiße Wölkchen heben sich davon ab. Die Sonne erwärmt die Haut und lässt alles um dich herum leuchten. Du spürst dieses Kribbeln, dass das ein wundervoller Tag wird, an den du dich noch lange danach erinnern wirst. Eine sanfte Brise weht durch dein Haar und hinterlässt den salzigen Geruch des Meeres, ein Gefühl von Freiheit.

Nun stell dir vor, du verbringst diesen Tag zusammen mit ein paar anderen Leuten auf einem Segelboot im Paradies. Du stellst es dir vor, hast ein Bild vor Augen und empfindest ein leichtes Glücksgefühl?

Türkise Bucht

Dann hast du vermutlich immer noch keine Vorstellung davon, wie überwältigend schön die Realität war.

Abfahrt in Palau

Palau Yachthafen

Morgens besteigen wir das Segelboot – zusammen mit zehn anderen Touristen und zwei Mann, die die Crew bilden. Die Strandtasche ist voll – der Kopf noch voller mit Erwartungen. Es folgt eine kurze Einweisung in das Boot, die aber eher nebensächlich erscheint. Dann wird abgelegt – hinaus auf das Meer in Richtung Freiheit. Der Platz hinten auf der Bank wird schnell gegen einen Platz vorne auf dem Schiff eingetauscht. Über uns der blaue Himmel, unter uns das blaue Meer und rundherum weiße Segel und hübsche Küsten.

Palau Meeransicht

Auf dem Segelboot

Weit genug vom Hafen entfernt nimmt der Wind zu – der Motor vom Schiff wird nicht mehr benötigt. Und dann ist es wie fliegen. Die Segel lehnen sich in den Wind, das Schiff ist stark dem Wasser zu geneigt und das Herz hüpft vor Aufregung. Das Surren des Motors ist verstummt und macht dem Klackern des Segels Platz. Ich halte meine Haare in den Wind und lache. Das muss Freiheit sein.

Weites MeerFerner Blick auf Bucht

Als wir wieder langsamer werden, ändert sich die Kulisse. Wir sind wieder dichter an der Küste, das tiefe, satte Blau des Meeres weicht einem leuchtenden türkis. Dahinter ein kleiner weißer Strand, eingerahmt von Felsen und Pinien. Die Kamera wird gezückt, es werden eine Milliarde Fotos geschossen, die doch die Atmosphäre nicht wirklich aufnehmen und wiedergeben können.

Traumbucht vormittags

Türkises WasserBucht vormittags 3Bucht vormittags 4Bucht vormittags 5
Wir ankern. Boot oder schwimmen zum Strand? Schwimmen. Selbst mitten im Wasser bleibt die Farbe gleich beeindruckend. Wir werden mit Schnorcheln und Taucherbrillen ausgestattet. Auch unter Wasser wird das türkis nicht schwächer. Die Sonne sorgt für ein Glitzern bis zum Meeresboden.

Zum ersten Mal im Leben erlebe ich Fische hautnah im Wasser. Kleine, bunte Fische schwimmen in Schwärmen oder allein vor den Korallen umher. Ich will nie wieder auftauchen, ich lasse mich einfach treiben in diesem Paradies. Aber ich möchte mich auch noch sonnen an diesem Traumstrand. Zurück auf dem Boot gibt es Wein, kalten Weißwein, der gut zum Sommerwetter passt.

Mittagessen in der Lagune

Später ankern wir in einer Lagune – die Wasserfarbe brauche ich wohl nicht erwähnen. Auch hier lasse ich mich über diesmal größeren Fischen treiben. Unterbrochen werde ich davon nur vom Mittagessen: Bruschetta, Salami, Käse, Oliven, Brot. Danach frisch gekochte Pasta. Dazu mehr Wein. Abschließend Café und Digestif. Pure Glückseligkeit.

Lagune

Traumbucht nachmittags

Bucht nachmittags 1

Das Essen wird auf Deck beim Sonnen verdaut, während wir wieder vom Wind getragen über das Wasser gleiten – in Richtung einer weiteren Traumbucht. Gleiches Prozedere: Schwimmen, Schnorcheln, Sonnen, Fotografieren, Genießen. Immer wieder versuche ich all das in mir aufzunehmen und so fest wie möglich abzuspeichern.

Bucht nachmittags 2 Klares Wasser Bucht nachmittagsKleiner Wald

Heimkehr

Palau Hafeneinfahrt

Danach geht es zurück zum Hafen, jede Sekunde aufsaugend, jedes Detail verinnerlichen. Im Hafen ein leichter Widerwille gegen das Verlassen des Bootes. Dann stehen wir wieder mit Schuhen an den Füßen an Land, immer noch glücklich, aber schon mit leichter Sehnsucht nach dem Meer. Ein Tag für die Ewigkeit.

WasserfarbenParadiesstrand