Wie ich mich ins Segeln verliebte…

Wenn auf einem sonst kaum gepflegten Blog schon bereits zwei Beiträge zu erlebten Segelreisen zu finden sind, so lässt sich ein gewisses Interesse nicht leugnen. Mittlerweile ist es jedoch mehr als die Erinnerung an ein paar entspannte Urlaubstage. Es fühlt sich an, als hätte ich eine neue Leidenschaft gefunden, auch wenn ich sehr vorsichtig mit diesem Begriff bin.

Ich habe oft die Angewohnheit, mich für einen kurzen Zeitpunkt für ein Thema zu begeistern und es dann wieder aus den Augen zu verlieren oder es nach einiger Zeit doch nicht mehr so spannend zu finden. Deswegen fällt es mir oft schwer, darauf zu vertrauen, dass ich etwas wirklich mag. Nun, da ich seit über einem Jahr eigentlich non-stop ans Segeln denke, bereits vier Törns und über 500 Seemeilen hinter mich gebracht habe und mir zwischen den Törns Filme, Instagram-Stories und Youtube Videos über das Segeln ansehe, wage ich es, das Thema als Leidenschaft ernst zu nehmen.

Von einem Segeltörn, der gar keiner war

Wenn ich überlege, wie es anfing, dann ist mein erster Gedanke mein Segeltörn in Kroatien, der eigentlich keiner war. Es war eine Woche auf einem Segelboot, nur gesegelt wurde eigentlich nicht. Es wurde gegessen, getrunken, geschwommen und es wurden verschiedene Inseln erkundet und diverse Parties gefeiert. In Split im Hafen wurde mir bewusst, dass das Boot viel größer sein würde, als ich es mir vorgestellt hatte. Der Fokus würde viel mehr auf dem Feiern mit der Gruppe liegen als auf allem anderen. Spaß gemacht hat es trotzdem. Jede Nacht in einem anderen Hafen schlafen, jeden Vormittag in einer neuen Bucht schwimmen gehen, jeden Nachmittag eine neue Insel kennen lernen. Das Boot wird zum Lebensmittelpunkt, dort wird gegessen, geduscht, geschlafen. Es ist Dancefloor, Sprungbrett und Liegewiese. Das Grundprinzip gefiel mir und am Ende der Woche verließ ich das schwimmende zuhause nur sehr ungerne.

Wie bin ich nun aber eigentlich auf die Idee mit Kroatien gekommen? Tatsächlich sprang der Funke schon ganze zwei Jahre früher über. Auf meinem eintägigen Segelausflug auf Sardinien. Es waren nur ein paar Stunden auf dem Meer, aber ich habe zum ersten Mal im Leben die Magie des Segeln entdeckt. Wenn der Motor ausgeschaltet wird und das Boot allein vom Wind angetrieben dahin gleitet. Zwei Jahre später bei der Überlegung, welchen Urlaub ich wohl gut alleine machen könnte, kam dann die Idee. Warum nicht dieses wundervolle Gefühl eine Woche lang genießen, das Boot nicht am Abend verlassen müssen.

Nun hatte ich also einen Tag wirklich Segeln erlebt und eine Woche auf einem Boot leben. Meine Erkenntnis: Segeln ist faszinierend und schön – ein Boot mit Koch, Barkeeper und Koch und reiner Fahrt unter Motor jedoch nicht das ganz Richtige, jedenfalls nicht für eine Wiederholung. Auf einem Boot schlafen, aufwachen und vormittags ins Meer springen wollte ich trotzdem gerne nochmal erleben.

Von der Faszination, den Alltag beim Segeln zu vergessen

Im August 2019 hatte ich mir eine Woche Urlaub genommen, aber noch keine Idee, was ich machen sollte. Ich tauschte mich mit meiner Freundin über meinen Bootsurlaub in Kroatien aus und sie erzählte mir von ihrem Segeltörn im vergangenen Jahr. Eine Woche auf einer Segelyacht in Griechenland, mit ihrer Schwester und ein paar anderen jungen Leuten, die sie erst auf dem Boot kennen lernte. Von einer entspannten Zeit, tollen Menschen und schönen Erlebnissen. Also schaute ich mir Join the Crew einmal selbst an. Das Konzept klang toll, aber irgendwie hatte ich auch Angst. Angst davor seekrank zu werden, mich nicht in die Gruppe von 8 anderen Menschen einzufügen.

Auf einmal blieben noch 3 Tage bis zu meinem Urlaubsbeginn und ich entdeckte eine freie Koje auf einem Törn in Mallorca. Ich beschloss aufs Ganze zu gehen und machte Nägel mit Köpfen. Buchte den Törn, buchte einen Flug und packte zwei Tage später bereits meine Tasche. Ich habe hier bereits darüber berichtet, deswegen will ich gar keine Details loswerden. Nur, dass es mich gepackt hat. Sowohl das Segeln bei ruhiger See als auch das Segeln bei ordentlich Welle. Wie aus Fremden eine Crew wird, wie jedes selbstgekochte Essen zum Sterne-Mahl wird, wie auf das Anlegen angestoßen wird und wie es ist, vor dem Frühstück und mitten in der Nacht ins Meer zu springen. Ich gebe zu, dass ich nicht viel über das Segeln gelernt habe und mein Dauerzustand eher angetrunken als nüchtern war. Doch ich war fasziniert und wollte mehr.

Mehr bekam ich dann in der Karibik. Eine andere Crew, ein anderes Boot. Luxusleben auf dem Katamaran, ganze zwei Wochen. Auch diesen Törn genoss ich die meiste Zeit, er hat jedoch nicht ganz das Glücksgefühl von Mallorca hinterlassen. Ich las viel beim Segeln und konnte mich schön entspannen, aber ich fühlte mich auch ein klitzekleines Bisschen einsam. Vielleicht tat ich mich doch schwer damit, mich in eine Gruppe Fremder einzufügen? Dieses Mal ärgerte es mich, dass ich es nicht so richtig geschafft hatte, etwas zu lernen. Gab ich mir nicht genug Mühe? Da waren Zweifel, aber trotzdem schon der Plan im nächsten Jahr wieder segeln zu gehen und dem ganzen weiterhin eine Chance zu geben.

Von der Begeisterung für Knoten und Schoten

Und so bekam das Segeln die nächste Chance genau da, wo alles anfing. In Sardinien, La Maddalena und zur Krönung einem Abstecher nach Korsika. Zwischen Homeoffice und Abstandsregeln setzte ich mich ins Flugzeug nach Olbia und blickte meiner ersten Reise des Jahres 2020 entgegen. Alleine die Tatsache, dass der Törn überhaupt möglich war, machte ihn zu etwas ganz Besonderem. Und so sollte es den Rest der Woche bleiben und immer besser werden. Im Schnelldurchlauf: Tolle Crew. Eine Urlaubsliebe. Delfine beim Frühstück. Sternschnuppen vom Deck betrachten. Sterne, Sterne, noch mehr Sterne. Lagerfeuer am Strand. Durchtanzte Nacht in fast leerer Beachbar. Klares Wasser. Weiße Strände. Tiefblaue See. Wind. Genug Wind, um die ganze Zeit zu segeln. Segelunterricht. Welche Kurse gibt es? Wie funktioniert das Segeln? Welche Segelstellung für welchen Kurs? Wie heißt welche Leine? Welche Schot erfüllt welchen Zweck? Was ist beim Steuern zu beachten. Wende. Halse. Palstek. Webeleinstek.

Auf einmal war meine Faszination für den Segelsport geweckt. Segeln war mir wichtiger als in der Sonne zu liegen. Ich wollte lieber mitmachen als zugucken. Wollte verstehen und mir die Dinge merken. Noch Wochen später sagte ich mir Begriffe im Kopf auf, um sie nicht zu vergessen. Konnte den nächsten Törn kaum erwarten und dachte das erste daran einen Schein zu machen. Verwarf es wieder. Das würde ich eh kaum hinkriegen bei meinem Geschick. Und was sollte ich überhaupt damit anfangen? Lieber nicht…

Etwa zwei Monate später fand ich mich dann bereits wieder auf einer Yacht wieder. Über die Warteliste kurzfristig einen Platz bekommen. Griechenland, Ende September, immer noch 30 Grad. Mit an Bord wieder eine tolle Crew, die super gemeinsam funktioniert hat. Ein entspannter Skipper, und eine erfahrene Co-Skipperin. Ich durfte mein erstes Manöver fahren – Boje über Bord. Mit viel Platz nach oben was die Ausführung angeht, aber auch dem Gefühl, es irgendwann lernen zu können. Dieses Mal fasste ich in allen Bereichen noch mehr mit an, übte Knoten, Klampenbelegung und die Nutzung der Winschen. Und in der Mitte der Woche, motiviert vom Zuspruch meiner Crew und meinem Skipper, begeistert vom Spaß, den ich beim Segeln mehr denn je empfand, meldete ich mich zum Bootsführerschein an. Entgegen meiner Bedenken, ob ich es schaffen würde oder ob es wirklich eine Zweck hätte.

Von dem Mut wieder zu träumen

In ein paar Tagen startet meine Theorieeinheit. Drei volle Tage Theorieunterricht. Sportbootführerschein See und Binnen in Kombination. Zwei Praxisstunden. Und drei Wochen danach sollen dann bereits die Praxis- und Theorieprüfung stattfinden. Sicher kein leichtes Unterfangen, aber ich freue mich drauf. Ich möchte alles lernen, alles verstehen und meinem Ziel – dem SKS – näher kommen.

Wenn das nämlich alles klappt wie ich es mir vorstelle, dann kann ich im neuen Jahr mit der Theorie für den SKS anfangen. Der berechtigt mich dann sogar, selbst Skipper auf einer Yacht zu sein. Und auch wenn das für mich noch in ferner Zukunft steht, so bin ich doch ehrgeizig den ersten Schritt zu wagen. Meine neue Leidenschaft weiter zu verfolgen und das Träumen großer Träume wieder zu erlernen. Was mich erwartet? Wer weiß? Aber es fühlt sich gut und richtig an!

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