Zwischen Möbeln, Staub und Kartons – Zwei Wochen bis zum Auszug

Da hatte ich mir fest vorgenommen, nun öfter hier zu schreiben und was passiert: Nichts. Ein großes Nichts, das ich lieber mit Lesen, Grey’s Anatomy (gute Idee, eine Serie mit 15 Staffeln anzufangen, während man eine Wohnung ausräumt) und wie wild von rechts nach links durch meine Wohnung rennend fülle. Aber ich mich aktuell nicht wirklich in Marathon Verfassung fühle (der Spaziergang zum Rewe zählt aktuell schon fast als Sport), hat auch das irgendwann ein Ende und ich muss mich mal hinsetzen. So sitze ich nun hier, auf dem Boden meines Schlafzimmers, mit dem Rücken an mein Bett gelehnt.

Weniger als zwei Wochen kann ich noch hier sitzen und vielleicht weniger als 48 Stunden an dieses Bett gelehnt. Vielleicht aber auch noch eine weitere ganze Woche. Mal läuft das Möbel verkaufen gut und mal läuft es schleppend. Das Bett ist eher der Fall schleppend, was meinen Rücken natürlich freut, den Zeitplan aber leicht stresst. Nun ist es nicht mehr lange, in knapp zwei Wochen werde ich aus dieser Wohnung ausgezogen sein. Die meisten meiner Möbel habe ich tatsächlich schon verkauft und erstaunlicherweise fehlt mir kaum etwas. Je leerer die Wohnung wird, umso mehr kann ich die Freiheit riechen. Je mehr sich die Reisekasse aus den Verkäufen füllt, umso länger kann ich die Freiheit möglicherweise genießen.

Das Verkaufen und aussortieren fühlt sich mittlerweile fast wie Arbeit an. Ich führe schriftliche Korrespondenz, prüfe 100 Mal täglich mein Postfach, versuche Termine möglichst effizient ohne Überschneidungen auszumachen und Preise zu verhandeln. Telefonate führen, Verträge kündigen, Ämter bezirzen, informieren, entscheiden. Sortiere meine eigenen Sachen in 3 Kategorien: Behalten, Verkaufen, Wegwerfen. Versuche so weit es geht zu reduzieren, jedes einzelne Teil meines Kleinkrams zu betrachten und einzuordnen. Zwischendurch Löcher in der Wand füllen, Wände streichen, putzen, wischen, saugen.

Doch obwohl es anstrengend und stressig ist, ich keinen Plan B habe und es mich manchmal nervt, so macht es doch auch Spaß. Bei Erfolgen tanze ich durch mein Wohnzimmer, in dem immer mehr Platz zum tanzen ist. Ich trinke hier und da ein Bier auf die Freiheit. Irgendwie übernehme ich sogar richtig viel Verantwortung für mein Leben. Was witzig ist, weil das Ziel ist, für eine Weile weniger Verantwortung zu haben. So ist das wohl im Leben, man bekommt die Dinge nicht umsonst, man muss dafür etwas tun. Und manchmal muss es vielleicht erst einmal schwerer werden, damit es danach einfacher wird. Ich hätte gedacht, dass es mich stört, aber es erfüllt mich. Ich habe das Gefühl, dass ich gerade eine wahnsinnig wichtige Erfahrung mache und nebenbei noch viel über mich, über das Leben und alles mögliche andere lerne.

In zwei Wochen geht meine Reise in die nächste Phase, aber jetzt bin ich noch im hier und jetzt. Zwischen Möbeln, Kartons und Staub auf dem Boden. Genau hier fühle ich mich gerade auch wohl. Ich hoffe ihr fühlt euch hier mit mir wohl und begleitet mich auch bei den nächsten Schritten und auf den nächsten Wegen, die ich gehe.

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