Alleine unterwegs auf Mallorca – Teil 1

Anreise

Eine Woche Urlaub alleine. Eine Woche die Sonne genießen, während es zu Hause noch kalt ist. Eine Woche am Mittelmeer, eine meiner liebsten Regionen. Was zwei Monate vorher beim Buchen noch aufregend und wagemutig klang, kam mir kurz vor dem Abflug eher beängstigend und dumm vor. Ich hatte Geld dafür ausgegeben, um alleine zu sein? Wo ich zuhause immer die Bahn statt dem Auto nehme, weil ich so ein Schisser bin, wollte ich auf Mallorca mit einem Mietwagen umher fahren. Es war verrückt, aber ich wollte es versuchen.

Auf dem Flug wechselten sich weiterhin Vorfreude, Aufregung und Panik ab. Der erste Anblick der Insel raubte mir den Atem. Leuchtend blaues Meer, leuchtend blauer Himmel, Berge, Bäume, Verheißung. Viel zu schnell saß ich hinter dem Steuer meines Mietwagens. Ohne die geringste Ahnung, wie ich in Spanien in einem fremden Auto alleine überleben sollte. Es kam mir unmöglich vor, das jemals zu schaffen. Also fuhr ich los. Nachdem ich dreimal auf die Autobahn rauf und wieder runter gefahren bin, hatte ich endlich die richtige Richtung erwischt und konnte mich ein wenig entspannen. Also einmal quer über die Insel. Verunsichert erreichte ich Cala Figuera, den Ort, an dem ich eine Woche alleine bleiben wollte. Ich war ziemlich fertig mit den Nerven nach der Fahrt, aber auch ein bisschen stolz, dass ich es durchgezogen hatte. Auch mein Zimmer gefiel mir gut, schlicht und einfach, aber perfekt für mich.

Tag 1

Freche Möwe am Hafen

Zum ersten Mal seit Jahren packte ich meinen Koffer aus – vollständig und räumte meine Kleidung in den Schrank. So fühlte ich mich ein wenig zu Hause, angekommen. Bewaffnet mit meiner Kamera ging ich los, um den Ort zu erkunden. Ich musste nur um zwei Straßenecken gehen, um das Meer zu erblicken. Und was das für ein Ausblick war. Fasziniert von der Schönheit blieb ich staunend stehen. Die Fotos hatten nicht zu viel versprochen, ich hatte mir das Paradies ausgesucht. So startete ich meine Erkundungstour um die Bucht herum. Leuchtend türkises Wasser, kleine Fischerboote, Möwen. Ich kletterte hoch zu einem Turm, von dem man einen wahnsinnigen Blick auf das offene Meer und die Klippen bewundern konnte. Dort saß ich einfach nur, lauschte dem sanften Rauschen der Wellen und fühlte mich fast nicht einsam.

Aussicht auf die Cala Figuera
Süße Fischerboote
Da war jemand noch entspannter als ich…

Die Panik kam zurück zum Abendessen. Nun musste ich alleine los, mich alleine für ein Restaurant entscheiden, mich alleine an einen Tisch setzen und alleine Essen. Kurz dachte ich an den Supermarkt, nahm dann aber meinen Mut zusammen. Ich wollte diesen Urlaub genießen, ich wollte auf nichts verzichten. Bewaffnet mit einem Buch setzte ich mich nach einigem Zögern an einen Tisch mit dem besten Blick auf diese wunderschöne Bucht. Um mich herum Familien und Paare. Tapfer bestellte ich in einer Mischung aus Deutsch, Englisch und Spanisch und genoss meinen Rioja zu einer leckeren Pizza. Zum Abschluss gab es gratis einen Baileys, kein schlechter Start in den Tag. Drei Mal habe ich noch in demselben Restaurant gegessen, jedes Mal lecker und jedes Mal etwas mutiger und unbefangener.

Tag 2

So beginnt der erste richtige Urlaubstag…

Am ersten Morgen klingelte mein Wecker um 6:15, früher als normalerweise zur Arbeit. Ich wollte so unbedingt einen Sonnenaufgang über dem Meer ansehen und kletterte über Felsen ans äußerste Ende der Bucht. Ich wurde nicht enttäuscht. Es fing an mit sanften rosafarbenen Streifen am Himmel bis der orangefarbene Feuerball am Horizont auftauchte. Gänsehaut-Feeling pur.

Farbexplosion
Der Sonnenaufgang mit den allerschönsten Farben

Zurück auf meinem Zimmer wurde ich unsicher. Ich hatte noch sieben Tage Zeit für mich und nicht die geringste Ahnung, was ich machen sollte. Es war niemand da, der mir etwas vorschlagen oder mich mitnehmen konnte. Noch immer leicht verängstigt in Bezug auf Auto fahren hab ich mir ein Fahrrad geliehen. Wasser und Essen eingepackt, Kamera dazu, Helm auf den Kopf (dort herrscht nämlich Helmpflicht wie ich herausfinden musste) und einfach los. Direkt neben an war der Parc Naturale de Mondrago, ein hübsches Naturschutzgebiet.

Ausnahmsweise mal mit Helm
Menschenleerer Strand s’Amarador
Wenn man alleine ist, gibt es halt Selfies!

Mein erster Weg führte mich – wie könnte es anders sein – zu einem hübschen Strand in einer Bucht. Fast menschenleer war es früh morgens. Eine Stunde lang blickte ich nur aufs Meer und genoss die Aussicht. Später fuhr ich weiter, guckte mir Porto Petro und Cala d’Or an, weitere Buchten und unterschätzte gnadenlos wie anstrengend 30-40 Kilometer Radfahren sind! Abends war ich erschöpft und glücklich und wusste direkt, dass ich den nächsten Tag am Strand, den ich morgens gefunden hatte, verbringen wollte.

Schweinepopo und faules Ferkel
Später am Tag war es dann sehr windig und bewölkt, also gab es nur ein Foto und dann ging es weiter.

Tag 3

s’Amarador im Sonnenschein

Mit meiner Angst vor dem Auto fahren überlegte ich lange hin und her, ob ich die 5 km zum Strand zu Fuß oder mit dem Auto zurücklegen sollte. Am Ende siegte die Vernunft und ich nahm das Auto. Natürlich hab ich mich mehrfach verfahren und musste auf irgendwelchen Sandwegen mit Felsen und Schlaglöchern mitten im Nirgendwo wenden. Glücklicherweise erreichte ich doch noch den Strand und verbrachte einen traumhaften Tag mit Lesen, Sonnen, Schwimmen im eiskalten Wasser und wundervollem Nichtstun. Die Einsamkeit saß mir immer im Nacken, aber solange ich die Nase im Buch und die Zehen im Sand vergraben hatte, behielt ich sie gut im Griff!

Und noch ein Selfie…

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